Deutscher Gewerkschaftsbund

22.11.2017
Fachkräftemangel

Tarifbindung statt Imagekampagne

Immer weniger Auszubildende im Handwerk

„Kaum noch Azubis - Tarifflucht im Handwerk führt zu drastischem Fachkräftemangel“, so lautete die Schlagzeile der Berliner Zeitung diese Woche.

Ungefähr 100 Millionen Euro haben es sich die Handwerkskammern bundesweit in den letzten Jahren kosten lassen, den Ruf des Handwerks insbesondere bei jungen Menschen zu verbessern. Doch schöne Bilder, flotte Sprüche und lustige Videos können nichts bewirken, wenn die Löhne im Keller bleiben. Und dafür tragen die Betriebe, die Handwerks-Innungen und – zumindest indirekt – die Kammern die Verantwortung. Immer mehr  Unternehmen treten aus der Innung aus und entziehen sich damit geltenden Tarifverträgen. Die Tarifflucht wird von den Innungen aktiv unterstützt, sei es durch sogenannte OT-Mitgliedschaften (ohne Tarifbindung) oder durch die Gründung von Parallelstrukturen, die dann – mit viel weniger – Betrieben Tarifverhandlungen führen.

Der DGB und die Handwerksgewerkschaften fordern daher eine Änderung der Handwerksordnung, die den Innungen ihre Privilegien entziehen, wenn sie sich den Pflichten verweigern. Daher haben während der Sondierungsgespräche von den verhandelnden Parteien DGB und Gewerkschaften eine Anpassung der Handwerksordnung gefordert: „Zur Förderung von Tarifbindung und Flächentarifverträgen sollten die entsprechenden Regelungen angepasst werden.“

„Aus Sicht der IG Metall haben die Handwerksbetriebe und ihre Verbände die Probleme selbst geschaffen. In den vergangenen Jahren hat ein regionaler Verband nach dem anderen der Tarifbindung den Rücken gekehrt, weil ihre Mitgliedsfirmen die Löhne senken wollten und sich von Preisdumping und Unterbietungskonkurrenz Vorteile im Wettbewerb mit anderen versprachen.“


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