Deutscher Gewerkschaftsbund

01.02.2012

Deutschland hat sein erstes „grünes Büro“

IG BAU und Bundesstiftung Umwelt legen „Öko-Hebel“ am Arbeitsplatz um

Der neue Bürokollege arbeitet grün: Ab heute hat der Umweltengel einen festen Arbeitsplatz – am Schreibtisch. Bei der Umwelt-Gewerkschaft IG BAU nimmt das bundesweit erste „Öko-Büro“ jetzt offiziell seine Arbeit auf. Den Startschuss dazu haben IG BAU-Chef Klaus Wiesehügel und der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Fritz Brickwedde, am Mittag im ostwestfälischen Bielefeld gegeben. Das „Öko-Büro“ ist Teil des bundesweiten Projektes „Solidarisch Einkaufen“, in dem neun Einrichtungen der IG BAU aus Nordrhein-Westfalen, Berlin-Brandenburg und Bayern gemeinsam mit dem Berliner Peco-Institut an einem Modellverfahren arbeiten, um ihren Büroalltag nachhaltiger zu gestalten. Die DBU fördert das Vorhaben mit rund 125.000 Euro.

Klaus Wiesehügel sprach von einem „ökologischen Büro-Leuchtturmprojekt“. DBU und IG BAU hätten damit einen bundesweiten Trend angestoßen. Denn am umweltgerechten Büroalltag führe künftig kein Weg mehr vorbei. „Schließlich ist der Arbeitsplatz für die Menschen immens wichtig. Hier verbringen sie viel Zeit – meist mehr als mit der Familie, mit Freunden oder mit dem Hobby. Deshalb muss der Umweltschutz da, wo gearbeitet wird, auch einen festen Platz bekommen“, sagte der IG BAU-Bundesvorsitzende. Nur so könne der nachhaltige Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft gelingen. Das Peco-Institut habe dabei als Projektleitung in Bielefeld „zukunftsweisende Standards für den bundesdeutschen Büroalltag gesetzt“.

Für den DBU-Generalsekretär ist „Solidarisch Einkaufen“ ebenfalls ein „echtes Vorzeigeprojekt“. Brickwedde: „Es soll Arbeitnehmerorganisationen bundesweit dabei helfen, Büromaterialien, technische Geräte und Energie verantwortungsvoll zu beschaffen und zu nutzen. Ziel ist es, die Lebens- und Arbeitsbedingungen, insbesondere der rund sechs Millionen Gewerkschaftsmitglieder, nachhaltig zu verbessern und dabei gleichzeitig Umwelt und Klima zu schonen.“
Vom Bleistift über den Aktenordner bis zum Notizzettel – die IG BAU setzt in ihrer Bielefelder Geschäftsstelle auf umweltgerechtes Büromaterial. Beim Einkauf und auch bei fremden Dienstleistungen legt die IG BAU die Messlatte hoch – ökologisch und sozial. Das Ressourcensparen wird groß geschrieben – beim Papier genauso wie bei der Energie. „Von raffinierter Technik bis zur ganz simplen Disziplin beim An- und Ausschalten von Geräten schafft es das ‚grüne Büro’, den Stromverbrauch beachtlich zu drosseln. Und der Strom, der dann noch fließt, ist natürlich Öko-Strom“, so Klaus Wiesehügel.

Das Berliner Peco-Institut hat ein detailliertes „Öko-Einmaleins“ für den Büroalltag ausgearbeitet. Die Müllvermeidung und das optimale Recyceln von verbrauchtem Büromaterial gehört dabei ebenso zur „Umwelt-Lektion“ wie viel Grün: „Etliche Pflanzen sorgen für ein gutes Klima – in den Räumen und unter den Beschäftigten sowieso“, sagte Heinrich Echterdiek. Als Vorsitzender des IG BAU-Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe ist er Hausherr im „Büro mit dem reinsten Umweltgewissen“. Am wichtigsten sei es jedoch, den „Öko-Hebel“ in den Köpfen umzulegen. „Wenn die Beschäftigten von der Idee überzeugt sind und an einem ‚grünen Büro-Strang’ ziehen, dann ist der Umwelt-Erfolg in jedem Büro vorprogrammiert“, so Echterdiek.

Projekte wie das „grüne Musterbüro“ in Bielefeld benötigten Rückenwind aus Berlin – in jeder Form, so Klaus Wiesehügel. Der Chef der Umwelt-Gewerkschaft forderte die Bundesregierung auf, „Umwelt-Offensiven am Arbeitsplatz“ besser zu unterstützen. Das fange bereits außen an: „Ein wichtiger Punkt ist die energetische Gebäudesanierung – auch von Gewerbeimmobilien. Hier hat Deutschland ein enormes Potenzial, den Klimaschutz voranzubringen“, sagte Wiesehügel. Die schwarz-gelbe Bundesregierung liefere sich über den Bundesrat mit den Ländern derzeit ein „ökologisches Trauerspiel“. Denn es gebe immer noch keine Einigung über die steuerliche Absetzbarkeit von energetischen Gebäudesanierungen



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